Eröffnung: Freitag, den 15. Juli 2022, um 19.00 Uhr Begrüßung: MARCO BRAUCHMANN, Bezirksstadtrat für Weiterbildung und Kultur, Schule und Sport
Einführung: MILENA MERCER, Leiterin der kommunalen Galerien Treptow-Köpenick Finissage: Samstag, 10. September 2022, 15.00 Uhr Kuratorinnenführung mit Milena Mercer, ab 16.00 Uhr Konzerte von MC Müllsaft und SHE´OL
Marten Schech (*1983 Halle (Saale) ist Bildhauer, Installationskünstler und Schlagzeuger. Für seine Plastiken verwendet er bevorzugt Baustoffe, gefundene Holzreste und alte Möbel. Seine Arbeiten mäandern zwischen Kunst, Design und Architektur. In einem Spiel aus Dekonstruktion und Rekonstruktion nutzt er die Technik des Holzfachwerks, wobei die Konstruktionsprinzipien einerseits hervortreten und andererseits ad absurdum geführt werden. So folgen die zahlreichen Querverstrebungen seiner „Architekturgewächse“ keiner funktionalen Logik, sondern sind inspiriert von der Chamaechorie, der Ausbreitungsstrategie von Pflanzen über Wind und Wasser.
Der Ausstellungstitel Von unter den Brettern referiert auf A Song From Under The Floorboards der britischen Post-Punk-Pioniere Magazine, einer vierminütigen Liedinterpretation von Dostojewskis existentialistischem Roman Aufzeichnungen aus dem Kellerloch. Der Protagonist, ein unbequemer Charakter, verhält sich darin auf verschiedene Weisen seltsam und pendelt zwischen Selbstverachtung und Wut auf die Welt hin und her. Er ist der Gegenentwurf zum aufgeklärten, idealistischen Menschen, der zum Fortschritt der Gesellschaft beiträgt.
Auch Schechs non-konforme Möbel-Punks verweigern sich ihrer Funktionalität und Materialeigenschaften. Ein Stuhl mit Astbeinen wirkt zerbrechlich und ein Tisch fließt in einem comichaften Holzschwall über seine eigene Kante hinaus. Aus einem Kamin funkeln zwei Augen aus einem geschnitzten Feuer. In dem Kunstgriff ein Stück Holz nicht durch Anzünden zum Brennen zu bringen, sondern die Flamme lediglich als Motiv darzustellen, liegt ein humoristisches Paradox. Schech verdichtet Objekte in eine Gesamtinstallation, die aus einem ruinöses Labyrinth aus Wandeinbauten, Gängen und historischem Inventar besteht.
Öffnungszeiten:
Di – Do 12 – 19 Uhr
Fr 12 – 17 Uhr
Sa 15 – 19 Uhr
Der Eintritt ist frei.
Mit freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa – Ausstellungsfonds Kommunale Galerien Berlin
Eröffnung: Freitag, den 13. Mai 2022, um 19.00 Uhr
Begrüßung: MARCO BRAUCHMANN, Bezirksstadtrat für Weiterbildung und Kultur, Schule und Sport
Einführung: MILENA MERCER, Leiterin der kommunalen Galerien Treptow-Köpenick
Begleitprogramm: Kuratorinnenführung am Sonntag, den 3. Juli 2022, um 16 Uhr
Die Ausstellung Guide to Assisted Evolution bildet den Auftakt der neue Ausstellungsreihe Wahlverwandtschaft, in der die kommunale Galerie einmal im Jahr einen Exkurs in benachbarte Disziplinen der bildenden Kunst unternimmt. Zu sehen sind die Zeichnungen, Bücher, Graphics Interchange Formats (GIFs) und Installationen des Illustrators und Graphic Novelist Lukas Jüliger. Seit Jahren begeistert er die Feuilletons mit seinen Erzählungen und seinem feingliedrigen Zeichenstil. Im Rathaus Johannisthal zeigt er erstmalig auch seine Projekte der Freien Kunst.
Die Ausstellung nähert sich von verschiedenen Seiten den drei veröffentlichten Graphic Novels: Vakuum (2013) erzählt die Liebesgeschichte zweier junger Menschen, die sich unter dem Schatten einer nahenden Apokalypse entfaltet. Für Berenice (2018) adaptierte Jüliger die gleichnamige Erzählung von Edgar Allen Poe und transferierte sie ins Informationszeitalter: in die Tiefen des Internets, seine Foren und Cam Rooms. Die neuste Veröffentlichung Unfollow (2020) traf erneut den Nerv unserer Zeit. Ein junger Öko-Aktivist und Social-Media-Influencer namens Earthboi (@realearthboi) macht sich auf den Weg die Welt zu retten und verliert dabei die Kontrolle über sein eigenes Narrativ.
Jüligers Erzählungen sind düstere Fabeln über unserer Gegenwart, die durch die feinen Striche und dezente Farbgebung so anziehend wie beunruhigend wirken. Die Ausstellung wurde vom Künstler als Gesamtinstallation geplant. Jeder Raum hat ein eigenes Thema und ist individuell gestaltet. Neben Zeichnungen zeigt Jüliger einige Objekten seiner Inspiration und erstmals animierte Grafiken sowie eine Serie zarter Aquarellzeichnungen.
FRESH & ANCIENT – eine Ausstellung vonYarisal & Kublitzin der Galerie im Rathaus Johannisthal
Eröffnung: Freitag, den 18. März 2022, um 19.00 Uhr
Begrüßung: MARCO BRAUCHMANN, Bezirksstadtrat für Weiterbildung und Kultur, Schule und Sport
Einführung: MILENA MERCER, Leiterin der kommunalen Galerien Treptow-Köpenick
Begleitprogramm: Kuratorinnenführung am Sonntag, den 1. Mai 2022, 16 Uhr
Ronnie Yarisal (*1981 in Genf, Schweiz) und Katja Kublitz (*1978 in Kopenhagen, Dänemark) sind für ihre humorvoll-subversiven Skulpturen bekannt, in denen sie wertvolle, teuer aussehende und profane Alltagsgegenstände miteinander kombinieren. Die auratisch wirkenden Arbeiten bringen sie in Ausstellungen in aufwendigen Installationen zusammen, die sich mit Themen wie Glaube, Mythen, Heilung oder Spiritualität beschäftigen. Ihre Arbeitsweise besteht zumeist aus zwei Phasen: Einer exzessiven Recherche folgt eine laborähnliche Kunstproduktion. Dabei untersuchen sie stets menschliches Verhalten und speziell die Veränderung desselbigen durch das Internet, die Digitalisierung und Technisierung unserer Umwelt.
VERMESSUNG DER STADT – eine Ausstellung von Larissa Fassler und Benedikt Terwiel in der Galerie im Rathaus Johannisthal
kuratiert von Meta Marina Beeck
Eröffnung: Donnerstag, 2. Dezember 2021, 19 Uhr
Laufzeit: 3. Dezember 2021 bis 27. Februar 2022
Kuratorinnenführung: Sonntag, 16. Januar 2022, 16 Uhr Künstlerbuch-Präsentation mit Benedikt Terwiel: Sonntag, den 27. Februar 2022, 16 Uhr
Die Ausstellung VERMESSUNG DER STADT präsentiert Arbeiten der in Berlin lebenden Künstlerin Larissa Fassler und des Künstlers Benedikt Terwiel. Beide untersuchen und erstellen städtische Landschaftsbilder, die sich verschiedener Verfahren der Kartografie bedienen. Dabei wird die Kartografie nicht auf ein bildgebendes wissenschaftliches Verfahren reduziert, sondern individuell ausgelegt und dabei kritisch, erkenntnisstiftend und poetisch verhandelt.
Larissa Fassler untersucht öffentliche Räume und Knotenpunkte der Stadt, so zum Beispiel in Berlin den Kotti (2008) und den Moritzplatz (2017, 2019). Ihre intensive und oft mehrerer Wochen andauernde Annäherung beginnt mit einer körperlichen Vermessung dieser Orte. Sie erkundet und schreitet diese ab, lässt sich von ihrer subjektiven Wahrnehmung leiten und erfasst auf diese Weise deren Dynamik und Charakter. Ihre Erkenntnisse sammelt sie in ihren Kartierungen, die auf den ersten Blick an konventionelle architektonische Darstellungen erinnern. Die von ihr erstellten Zeichnungen ermöglichen allerdings einen weitaus differenzierten Blick. Der an menschlichen Bedürfnissen vorbei geplante Stadtraum wird ebenso zum Thema wie die Hinterfragung von vorgefassten Meinungen und Vorurteilen, die nicht nur den Ort betreffen, sondern auch die sich dort aufhaltenden Menschen. Fasslers Auseinandersetzung mit urbanen Strukturen wirft Fragen nach Ordnungs-, Verteilungs- und Machtverhältnissen auf, die in Folge der künstlerischen Forschung sichtbar gemacht werden.
Benedikt Terwiel umreißt ein weites historisches Feld der kartografischen Geschichte. Die für die Arbeit Invaliden/Straße (2021) ausfindig gemachten Lithografiesteine, von denen er Gipsabdrücke anfertigt, sind auf das Jahr 1937 datiert. Ihrerzeit dienten sie als Druckvorlagen für Stadtpläne und Landkarten. Vor dem Hintergrund eines erweiterten Verständnisses von Karte und Kartierung hat man es heute mit digitalen Geoinformationen zu tun. Basierend auf aktuellen Geodaten, die der Künstler vom Berliner Landesvermessungsamt erfragt hat, erstellt er eine Serie von computeranimierten Landschaftsbildern, die das Berliner Südgelände (2021) zeigen. Das Gebiet des heutigen Natur-Parks Schöneberger Südgelände erscheint in den Renderings wie ein Filmstill aus einem Science-Fiction-Film. Befürchtungen hinsichtlich eines dystopischen Zukunftsszenarios, auf das die Menschheit zusteuert, werden geschürt. Die Erweiterung einer kartografischen Praxis, die ohne Kartenobjekt auskommt und sich im Sinne einer Erschließung neuer Lebensräume in extraterrestrische Atmosphären ausdehnt, ist hier angelegt.
Die Ausstellung wurde kuratiert von Meta Marina Beeck.
Femxphotographers. Mom, I am a rich man Kirsten Becken, Katharina Bosse, Nora Lowinsky, Hanna Mattes, Maggie Steber, Chanell Stone, Lilly Urbat, Paula Winkler, Eva Woolridge
kuratiert von Milena Mercer und Caro Siegl
Eröffnung: Freitag, 22. Oktober 2021, 19 Uhr
Laufzeit: 23. Oktober bis 28. November 2021
Kuratorinnenführung: Sonntag, 28. November 2021, 16 Uhr
Ein intimes Porträt, ein dokumentarischer Ausschnitt, eine burleske Pose oder eine filmische Szene – die Fotografien der Ausstellung Mom, I am a rich man sind inhaltlich und ästhetisch so unterschiedlich wie die Künstlerinnen, die sie angefertigt haben.
Sie verbindet die Zugehörigkeit zu dem internationalen Kollektiv femxphotographers.org, das sich 2018 mit dem Ziel gegründet hat, die Sichtbarkeit von Fotografinnen und nicht-binären Kulturschaffenden in der Kunstwelt zu erhöhen. Neben gemeinsamen Projekten, Ausstellungen und Büchern unterstützen sie sich in ihren individuellen künstlerischen Laufbahnen, vermitteln sich gegenseitig Aufträge und verändern den Kulturbetrieb durch Solidarität von innen heraus.
Der Ausspruch Mom,I am a rich man ist ein Zitat aus einem Interview mit der Popikone Cher, in dem sie ihrer Mutter auf deren Rat hin, sich einen reichen Mann zu suchen, erwiderte, dass sie selbst ein reicher Mann sei. Durch die Deutung des „reichen Mannes“ als Metapher für Macht und hegemoniale Strukturen betont Cher ironisch ihre eigene Unabhängigkeit und Stärke. Den Fotografien der Ausstellung ist ebenfalls eine emanzipatorische Kraft inhärent. Sie zeigen wortwörtlich neue Körperbilder, die unsere Sehgewohnheiten herausfordern, und brechen gleichzeitig mit den Klischees von „Frauenkunst“.
FINALE!
Reminiszenz an die Künstlerinnen und Künstler und die Galerie Alte Schule Adlershof
Kuratorin: Dorit Bearach
46 teilnehmende zeitgenössische Künstler*innen
Michael Augustinski, Stefka Ammon, Horst Bartnig, Dorit Bearach, Anna Braun, Ingmar Bruhn, Reinhard Buch, Liz Crossley, Flavio Degen, Michael De Maiziere, Wolfgang Domröse, Christina Düwel, Andrea Engelmann, Florian Flierl, Dieter Goltzsche, Reinhard Grimm, Sylvia Hagen, Thomas Habedank, Heinz Handschick, Ralf Jenke, Jürgen Köhler, Sebastian Körbs, Georg Krause, Gudrun Kühne, Michael Kutzner, Helge Leiberg, Angelika Ludwig, Monika Meiser, Sibylle Meister, Felix Müller, Barbara Müller-Kageler, Lorcan O‘Byrne, Hans Scheib, Alexander Schippel, Peter Schnaak, Jutta Schölzel, Anna-Franziska Schwarzbach, Kerstin Seltmann, Reinhard Stangl, Henry Stöcker, Andreas Trogisch, Kata Unger, Trak Wendisch, Peter Weinreich, Bernd Wilde, Karla Woisnitza
Ausstellungseröffnung: 16.10. 2020 um 19 Uhr
Eröffnung der Ausstellung durch die Stadträtin der Abteilung Weiterbildung, Schule, Kultur und Sport Cornelia Flader Begrüßung: Dorit Bearach, Kuratorin 19:00 + 21:00 Uhr Tanzperformance: Christina Wüstenhagen + Camilla Przystawski, TanzTangente Berlin
Veranstaltungen zur Ausstellung:
Do, 12.11., 19:00 Tua res agitur – es geht um Deine Sache!
Eine Anti-Lesung zur Situation, eine Art Medley
mit Texten und Zitaten von Stefan Heym, Paul Scheerbart, Christa Wolf, Helga M. Novak, Lyonel und Lux Feininger, Daniil Charms, Franz Fühmann, Bert Papenfuß, uvam.
Zusammengestellt und vorgetragen von Ines Burdow
Di, 17.11., 19:00 Omnia in Omnibus – Alles ist in Allem
Veronica Otto – live in conzert, Urtöne und Obertongesang mit Cello und Pferdekopfgeige
Mi, 25.11., 19:00 quo vadis? – Abschluss und Ausblick
Der neue Fachbereichsleiter Albrecht Pyritz stellt sich vor in einer
Gesprächsrunde mit Birgit Grimm (Schlossplatztheater), Dr. Johannes Schönherr (MusikAgentur Schönherr) und Nora Pijorr (Galerieleiterin), moderiert von Dorit Bearach, Kuratorin und Künstlerin.
It‘s now
Anthropozän – fridays for future – gesellschaftliche Gegenwarten … mit den Mitteln der Kunst … Zeichnung, Skulptur, Video, Malerei, Installation und Fotografie kuratiert von Anton Schwarzbach und Dorit Trebeljahr
Künstler*innen: Andrea Baumgartl, Jaana Prüss, Artur van Balen, Daniel Chluba, Meike Kuhnert, Alfred Banze, Willi Tomes, Anton Schwarzbach und Dorit Trebeljahr
Ausstellungseröffnung: Freitag, den 21.8.2020 von 17 – 21 Uhr im Garten der Galerie mit Führungen durch die Ausstellung
Veranstaltungen zur Kunstwoche der Kommunalen Galerien: It‘s now – Salonabend mit den Künstler*innen Teil 1 und 2
Dienstag, 1.9.2020, 19 Uhr mit Christine Falk & Alfred Banze / Camping Akademie e. V., Jaana Prüss, Andrea Baumgartl / Musik: Stephan Groß & Alfred Banze, AV-Gruppe Kopi Kaputa
Donnerstag, 3.9.2020, 19 Uhr mit Meike Kuhnert, Willi Tomes, Daniel Chluba / Musik: DJ Ilo Pan alias Willi Tomes
Donnerstag, 24.9.2020, 20 Uhr Lesung mit Kai Pohl & Ilka Haederle organisiert von Prolog – Heft für Zeichnung und Text
Entsprechend der Corona-Bestimmungen bitten wir um Anmeldung zu den Veranstaltungen telefonisch oder per E-Mail.
Presseinformation Ausstellung Galerie Alte Schule Adlershof, 21.08. – 02.10.2020
It‘s now
Künstler*innen: Andrea Baumgartl, Jaana Prüss, Artur van Balen / tools for action, Daniel Chluba, Meike Kuhnert, Alfred Banze, Willi Tomes, Anton Schwarzbach und Dorit Trebeljahr
Kuratiert von: Anton Schwarzbach und Dorit Trebeljahr in Kooperation mit der Galerieleiterin Nora Pijorr
What do we want? Climate justice. When do we want? Now. Mit dieser Losung haben die Teilnehmer*innen der wöchentlichen fridays for future Mahnwachen im letzten Jahr ihren Unwillen ausgedrückt. Ihren Unwillen darüber, in einer Welt leben zu müssen, die sich für die Zukunft der nächsten Generationen überhaupt nicht interessiert. „Future is now“ sang Nina Hagen vor fast 40 Jahren. Und: „Sklave wer wird dich befreien? Sklaven werden dich befreien!“ (nach Bertolt Brecht)
Doch was genau kennzeichnet die Gegenwart, jenes Zeitfenster zwischen Vergangenheit und Zukunft, von der ein alter chinesischer Slogan sagt: „Die Gegenwart ist die Zukunft der Vergangenheit“ aus künstlerischer Sicht?
Die Ausstellung It‘s now versammelt neun künstlerische Positionen, die sich mit gesellschaftlichen Gegenwarten auseinandersetzen, thematisch und inhaltlich und/oder anhand des gewählten Materials.
Die Fotografin Andrea Baumgartl hat die Jugendlichen der Fridays for Future bei ihren seit 2019 laufenden Protesten in Berlin von Beginn an begleitet. Vor kurzem erschien ihr Fotoband „Wir sind hier, wir sind laut: Fridays for Future.“. In der Ausstellung zeigt sie großformatige Fotodrucke aus ihrem Buch. Um gesellschaftliche Gegenwarten geht es auch bei Artúr van Balen / tools for action. Die in der Ausstellung zu sehenden Spiegelwürfel wurden u. a. 2016 gemeinsam mit Dortmundern Bürger*innen hergestellt, um gegen einen Neonazi-Aufmarsch zu protestieren. Eine Videoarbeit in der Ausstellung zeigt das choreografierte Training mit den Würfeln in Dortmund. Das andere Video dokumentiert den Einsatz der Spiegelwürfel bei der Klimakonferenz in Paris 2015. Ganz aktuell war einer der Würfel bei der Räumung der Neuköllner Szenekneipe Syndikat zu sehen.
Anton Schwarzbach greift in seinen Pixelzeichnungen immer wieder die Schutzlosigkeit des Individuums gegenüber einer sich immer autoritärer und hierarchischer positionierenden Gesellschaft auf. Es sind oft die am Rande Stehenden, denen er in seinen schwarz-weiß gehaltenen Arbeiten eine Stimme gibt, begleitet durch Textfragmente eines unsichtbaren Chores. Daniel Chluba erzählt anhand der ausgestellten Objekte und Bilder dokumentarisch von seiner Arbeit. Der stets in rot gekleidete Aktionskünstler, der sich schon mal als Hartz-IV-Prinzessin in einer Sänfte zum Richtfest des Berliner Schlosses tragen ließ, greift ironisch gesellschaftliche Missstände auf und zieht sie oft gemeinsam mit dem Publikum ins Extreme. Die Arbeiten der Malerin Meike Kuhnert entziehen sich den klassischen Genregrenzen. Mit farblichen Stoffen aus industrieller Massenproduktion definiert die Künstlerin Farbflächen, die sie manchmal mit dem Pinsel ergänzt. Sie lässt farbige „Ärmel“ aus den Bildern hängen und bringt in ihren aktuellen Bildern Masken auf die Leinwand. Willi Tomes nutzt für seine Bilder u. a. Acryl-Schallplatten als Material. Aus kleinsten unterschiedlich farbigen Acrylteilchen entstehen abstrakte Landschaften, deren Äquivalente in der Realität oft bedroht sind. Seine Sockel aus Plastikmaterialien dienen nicht als Postament für eine Skulptur, vielmehr werden sie selbst zum Kunstwerk. Um Plastik geht es auch in den von Alfred Banze präsentierten Arbeiten. Der Künstler thematisiert seit vielen Jahren mit dem Projekt „Social Plastic“ die Vermüllung der Erde durch Plastiktüten. Oft als gemeinschaftliches Kunstprojekt mit Kindern oder Anwohner*innen ausgelegt, reiste das Projekt durch verschiedene Länder. Die Ausstellung dokumentiert diese künstlerische Arbeit u. a. mit einer Stupa und einem Kreuz aus Plastiktüten. Plastik spielt auch bei Dorit Trebeljahr eine Rolle. Die Bildhauerin nutzt kleine Plastikformteile und Akupunkturnadeln als Material für ihre Skulpturen. In der Ausstellung zeigt sie u. a. ein künstliches Stück Wiese, inszeniert im natürlichen Habitat. Ihre Plastikskulpturen versteht die Künstlerin als „Formen des Anthropozäns“. Jaana Prüss installiert mit feinsten Naturmaterialien und fokussiert damit die Zerbrechlichkeit unserer Umwelt. Mit ihrer Fotoarbeit und der Installation alter rostiger Gartengeräte wirft sie Fragen zu längst vergessenen Kulturtechniken, Ernährung und Selbstversorgung auf.
Seit Januar 2020 läuft die Planung der Ausstellung. Vor gut 8 Monaten war nicht absehbar, wie stark die vor allem existenzielle Gegenwart im Schaffen fast aller Künstler*innen in den Vordergrund rücken würde. Die prekäre Situation, in der viele Künstler*innen leben und arbeiten, hat sich deutlich verschärft. Die Auswirkungen der Corona-Eindämmungsmaßnahmen führen noch dazu zu einem gesellschaftlichen Ausschluss: Als „nichtsystemrelevant“ erhalten Kunstschaffende kaum bis gar keine Unterstützung zur Bewältigung und Kompensation ihrer Einnahmeverluste. Die Präsentation der Ausstellung It’s now kann unter diesen Umständen nicht einfach als selbstverständlich angenommen werden. Sie ist als Kraftakt der Künstler*innen zu würdigen.
Neben den Künstler*innen brauchen wir als Gesellschaft auch die Orte, an denen Kunst gezeigt, besprochen und vermittelt wird. Diese Orte müssen fester Bestandteil jeder Kommune sein. Die Ausstellung It’s now wird eine der letzten in der Galerie Alte Schule Adlershof vor deren Umbau sein. Mit dem Umbau einher geht die Umstrukturierung der Galerie, für die zukünftig keine Galerieleitungsstelle mehr vorgesehen ist. Im Artikel 5 des deutschen Grundgesetz ist der Schutz der Kunstfreiheit festgeschrieben. Der Staat erkennt damit auch die Schutzwürdigkeit künstlerischen Schaffens an. Wenn diesem die Grundlage entzogen wird, weil z. B. die Orte zur Verbreitung der Kunst immer eingeschränkter agieren oder gar ganz schließen, weil z. B. vielen Künstler*innen die existenzielle Grundlage entzogen wird, ist diese Schutzwürdigkeit nicht mehr gegeben.
Anton Schwarzbach und Dorit Trebeljahr (Kurator*innen It’s now)
Veranstaltungen zur Kunstwoche der Kommunalen Galerien: It‘s now – Salon zur Ausstellung Dienstag, 01.09.2020, 19 Uhr
Ganz im Sinne der Salonkultur erwartet die Gäste ein moderierter Abend mit den Künstler*innen der Ausstellung – im Gespräch über ihre Arbeit und ihre Projekte. Wir sprechen mit Andrea Baumgartl u. a. über ihr Buch „Wir sind hier, wir sind laut: Fridays for Future.“ Christine Falk & Alfred Banze / Camping Akademie e.V. präsentieren ihr Projekt SOCIAL PLASTIC. 3 Plastic Songs von Frank Zappa, Sly & the Family Stone und den Kings runden den Abend ab.
Gäste des Abends: Christine Falk & Alfred Banze / Camping Akademie e. V., Jaana Prüss, Andrea Baumgartl / Musik: Stephan Groß & Alfred Banze, AV-Gruppe Kopi Kaputa / Moderation des Abends: Anton Schwarzbach und Dorit Trebeljahr
Donnerstag, 03.09.2020, 19 Uhr
Im zweiten Teil unseres Ausstellungssalons hören wir den Text zur Arbeit Capitalism feels like minimal Art von Daniel Chluba, lauschem echten Vinyl-Sound von DJ Ilo Pan alias Willi Tomes und haben natürlich auch wieder jede Menge Fragen an unsere Gäste. Zudem stellen wir die aktuelle Ausgabe der Künstlerzeitschrift Prolog – Heft für Zeichnung und Text vor.
Gäste des Abends: Meike Kuhnert, Willi Tomes, Daniel Chluba / Musik: DJ Ilo Pan alias Willi Tomes / Moderation des Abends: Anton Schwarzbach und Dorit Trebeljahr
weitere Veranstaltung: Donnerstag, 24.09.2020, 20 Uhr
Lesung mit Kai Pohl & Ilka Haederle und der Künstlerzeitschrift Prolog – Heft für Zeichnung und Text
Liebe Freunde der Galerie,
leider ist die gewohnte Form der Eröffnung einer Ausstellung immer noch nicht möglich.
Deshalb bieten wir Ihnen auch in diesem Fall einen virtuellen Ausstellungsrundgang an, der ab dem 30.06. 12:00 Uhr auf unserer Homepage zu sehen ist.
Ansonsten gelten für den Ausstellungsbesuch auch weiterhin die Regeln der Corona-Verordnung.
Filmdokumentation: Caroline Narr
30.6.-1.8.2020
pirouettes en dehors Posen und Positionierungen in den Medien Performance, Installation, Zeichnung, Malerei und Fotografie
kuratiert von Julia Brodauf
Angelika Waniek, Performance / Fotografie Ann Schomburg, Performance / Installation Ramona Schacht, Fotografie Simone Haak, Malerei Xenia Fink, Zeichnung Julia Brodauf, Collage, Installation
Der französische Begriff „Pirouette“ bedeutet sowohl „sich im Kreis drehen“ als auch „schnell seinen Standpunkt ändern“ – eine einfache oder mehrfache Drehung um die eigene Achse, ausführbar in diversen Haltungen. Dreht sich die tanzende Person vom Standbein weg, heißt die Figur „en dehors“. Es greift der sogenannte „Pirouetteneffekt“, der die Rotationsgeschwindigkeit steigert. Die Erwartung ist, dass uns schwindelt.
Dabei geht es um innere Haltung und um den Körper als Ereignis. Die Leipziger Performance-Künstlerin Angelika Waniek nimmt kulturelle und historische Narrative auf und setzt sie mit einem Storytelling-Auftritt um. In diesem Fall sehen wir ein Fragment aus „Die zersägte Frau“. Ann Schomburg, ebenfalls Künstlerin mit Schwerpunkt Performance, untersucht mit ganzem Geist- und Körpereinsatz die Kommunikationsstrukturen zwischen den Geschlechtern und dokumentiert dies filmisch und fotografisch, es treten auf: Ein Stinktier und eine multiple Domina. Die Fotografin Ramona Schacht, ebenfalls aus Leipzig, nähert sich dem Thema als stille Beobachterin und generiert aus intimen Akt-Nahaufnahmen von Gruppen-Situationen eine hautfarbene Bilddramatik aus Körperoberflächen. In den Ölgemälden der Berliner Künstlerin Simone Haack sind die Körper der Personnagen auf vibrierende Weise durchscheinend und sie selbst dadurch beunruhigend wesenhaft. Xenia Fink führt in opulenten Zeichnungen unsere visuellen Lesegewohnheiten vor – und entfaltet buchstäblich einen erotischen und urkomischen Kosmos aus Frauenfiguren. Julia Brodauf bringt – als Installation – einen endlosen Dialog in der Schwebe zum Rotieren und setzt auch mit der Gruppierung dieser Künstlerinnen auf eine Standpunktänderung.
Liebe Freunde der Galerie,
wir sind sehr froh, Ihnen ab dem 12.05. in unserer kommunalen Galerie wieder Kunst zeigen zu dürfen! Leider müssen wir auf eine formelle Eröffnung aufgrund der Abstandsregeln verzichten, bieten Ihnen aber einen virtuellen Rundgang durch die aktuelle Ausstellung auf unserer homepage.
12.5.-13.6.2020
LA PRIMAVERA
– aus der Reihe VOR ORT – Künstler aus unserem Bezirk
kuratiert von Dorit Bearach
Emiliano Baiocchi, Frank Diersch, Berenice Güttler, Elena Karakitsou, Sebastian Körbs, Yannis Malegiannakis, Lydia Paasche